Die fristlose Kündigung des Arbeitsvertrages - wie verhalte ich mich als Arbeitnehmer

Sie sind fristlos gekündigt worden. Darf der Arbeitgeber das so einfach? Was für Folgen hat das?
Ist vielleicht die Kündigungsfrist trotzdem einzuhalten? Sind alle Formalien durch den Arbeitgeber eingehalten worden? Was können Sie dagegen tun?

Fristlose Kündigung durch den Arbeitgeber - was nun?


An einem Arbeitsvertrag hängt nicht nur das Gehalt, sondern auch soziale Absicherung, Selbstbestätigung und Bekanntschaften. Eine Kündigung,  erst recht eine fristlose Kündigung, ist erst einmal ein Schock. Wichtig ist, dass Sie Ruhe bewahren, nichts unüberlegt unterschreiben und sich auch nicht zu unbedachten Äußerungen hinreißen lassen, auch wenn man vielleicht gegen arbeitsvertragliche Pflichten verstoßen hat bzw. dem Arbeitgeber durchaus Gründe für eine fristlose Kündigung geliefert hat.


1) Arbeitslos melden
Melden Sie sich innerhalb von 3 Tagen bei der Bundesagentur für Arbeit (Arbeitsamt) arbeitslos. Ansonsten riskieren Sie eine Sperrfrist von 1 Woche Arbeitslosengeld. Sie verlieren also Ihren Anspruch auf Arbeitslosengeld für diese Zeit, was nicht unerheblich ist. Äußern Sie sich gegenüber der Agentur noch nicht dazu, ob die fristlose Kündigung berechtigt ist oder welcher Sachverhalt ihr zugrunde liegt. Soweit Sie ohne sehr triftigen Grund selbst die Arbeitslosigkeit verschuldet haben - etwa durch Abschluss eines Aufhebungsvertrages  oder Verhalten, welches die fristlose Kündigung rechtfertigt - wird die BA gegen Sie eine Sperrfrist von 12 Wochen verhängen. Dies sind rund 3 Monate Arbeitslosengeld!


Wenn Sie sich nicht sicher sind, ziehen Sie Punkt 2) vor und lassen sich vorher anwaltlich beraten.


2) Lassen Sie sich anwaltlich beraten!
Innerhalb von 3 Wochen ab Zugang der Kündigung muss die Kündigungsschutzklage durch Sie selbst oder Ihren Anwalt beim zuständigen Arbeitsgericht, z.B. in Senftenberg, Cottbus oder Bautzen, eingereicht werden. Andernfalls ist die Kündigung (in fast allen Fällen) nicht mehr angreifbar.


Eine Kündigungsschutzklage lohnt sich bei einer fristlosen Kündigung fast immer. Angriffspunkte sind zum einen die Formalien einer Kündigung. In vielen Betrieben werden diese nicht eingehalten und kann deshalb die Kündigung angegriffen werden.


Zum anderen muss ein wichtiger Grund vorliegen, der bei Abwägung der beiderseitigen Interessen und der Umstände des Einzelfalls zu einer fristlosen Kündigung berechtigt. Die Rechtsprechung hat hier die Trauben für den Arbeitgeber immer höher gehängt. Galten früher Tatbestände wie Diebstahl oder Betrug als sichere Gründe für eine fristlose Kündigung, so haben die letzten Urteile des Bundesarbeitsgerichts (etwa Kassiererin Emily) dies erheblich zugunsten der Arbeitnehmer aufgeweicht.


Selbst wenn der Arbeitgeber vorher das Verhalten "abgemahnt" hat, ist die Frage, ob eine oder mehrere Abmahnungen reichen und diese wirksam waren. Eine Abmahnung verbraucht sich mit der Zeit und muss zum anderen einen gleichen Sachverhalt betreffen.


Das Prozessrisiko liegt meist beim Arbeitgeber und daher wird oft ein Vergleich geschlossen, dass das Arbeitsverhältnis fristgemäß endet und die Vorwürfe nicht mehr aufrechterhalten werden. Dies hat für den Arbeitnehmer den klaren Vorteil, dass die oben genannte Sperrfrist beim Arbeitslosengeld regelmäßig entfällt.


Je nach Arbeitsmarktsituation kann der Arbeitnehmer aber darauf drängen, den Arbeitsplatz zu behalten. Er muss sich nicht auf einen Vergleich einlassen. Dann kommt es darauf an, ob das Kündigungsschutzgesetz Anwendung findet, das behauptete Fehlverhalten durch den Arbeitgeber nachweisbar ist und für eine verhaltensbedingte Kündigung reicht. Meist muss der Arbeitgeber vorher abmahnen und darf nicht sofort kündigen.


Erörtern Sie den konkreten Fall mit Ihrem Anwalt und prüfen die Strategie bzw. Ihre Prämissen.


3) Ansprüche aus dem Arbeitsverhältnis
Nach der Kündigung sollte vorsorglich geprüft und geregelt werden, welche Ansprüche Sie aus dem Arbeitsverhältnis noch haben. Verschenken Sie keine Ansprüche.


4) Kosten
Schalten Sie einen Anwalt ein, der vertieft Arbeitsrecht bearbeitet. Dieser kennt den Verfahrensablauf, die möglichen Probleme vor dem Arbeitsgericht und Ihnen zustehende Ansprüche. Hierdurch entstehen natürlich Kosten. Beim Arbeitsgericht besteht in der ersten Instanz die Besonderheit, dass man auch bei einem Obsiegen die Kosten nicht vom Unterliegenden erstattet erhält. Dennoch lohnt sich regelmäßig wirtschaftlich gesehen die Klage.
Der Abschluss einer Rechtsschutzversicherung für Arbeitsrecht ist bei sich abzeichnendem Personalabbau oder einem gespannten Verhältnis zu dem Arbeitgeber dringend anzuraten. Die Versicherung übernimmt dann die oben genannten Kosten, so dass man (wirtschaftlich gesehen) nur gewinnen kann. Bei geringem Einkommen kommt aber meist Beratungshilfe und Prozesskostenhilfe zum Tragen. Selbst wenn dies nicht greift, lohnt sich das Vorgehen wirtschaftlich gesehen meist doch, allein wegen der Sperrfrist.


Rechtsanwalt Bandmann
Ihr Anwalt in Hoyerswerda / Cottbus
Bandmann & Krönert Partnerschaft


www.rechtsanwalt-bk.de


Herr Rechtsanwalt Bandmann bearbeitet vertieft das Arbeitsrecht (u.a. Kündigung, Kündigungsschutzklage, Abmahnung, Urlaubsanspruch, Betriebsübergang, Tarifvertrag, Anhörung des Betriebsrat, Zustimmung des Integrationsamtes, Entgeltanspruch, Prüfung von Arbeitsverträgen).
Er vertritt Sie als Anwalt nicht nur in Cottbus, Hoyerswerda, Bautzen oder Senftenberg, sondern ist in der ganzen Region tätig. Weitere Rechtsgebiete werden ebenfalls vertieft, zum Teil durch Kollegen, bearbeitet. Fragen Sie unverbindlich an.

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- Cottbus
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