Schöne Ferien??

Die Ferien stehen wieder bevor. Und da ist einer Arbeitnehmerin oder einem Arbeitnehmer doch manchmal etwas bange, ob das mit dem eigentlich bereits gewährten Urlaub auch so alles klappt. Kann ein Rückruf aus dem Urlaub erfolgen bzw. kann der Urlaub verweigert werden?

Ein Rückruf ist nicht möglich

Keine Sorge, auch wenn alle Kolleginnen und Kollegen aus der Abteilung oder der Schicht krank geworden sind, müssen Sie grundsätzlich nicht aus dem Urlaub zurückkommen. Angetretener Urlaub darf nicht einfach wieder rückgängig gemacht werden. Und für eine Kündigung reicht es deshalb schon gar nicht, wenn Sie weiter die Berge oder das Meer genießen, statt dem Handy-Ruf von der Firma oder der Behörde zu folgen. Der Arbeitgeber kann zwar versuchen, Sie zurückzurufen, doch kommen muss man nicht.
Anders sieht es aus, wenn der Urlaub noch nicht angetreten wurde. Dann darf der Chef diesen widerrufen. Allerdings braucht er dazu gute Gründe, die Ihren Urlaubsinteressen vorgehen und unvorhersehbar waren. Das geht im Prinzip nur, wenn ohne Ihre Arbeitskraft das Unternehmen zusammenbricht.
Wird bereits genehmigter Urlaub rückgängig gemacht oder kommt der Arbeitnehmer doch aus freien Stücken zurück, dann macht sich der Arbeitgeber schadenersatzpflichtig. Das heißt, er muss für die Kosten des abgebrochenen oder nicht angetretenen, aber gebuchten Urlaubs aufkommen.

Urlaub ist unbezahlbar

Grundsätzlich nimmt der Gesetzgeber Urlaub in Deutschland sehr ernst. Darum darf der Arbeitgeber auch nicht willkürlich damit umgehen. Denn Urlaub soll die Arbeitskraft der abhängig Beschäftigten erhalten. Die Auszeit im Job ist im Bundesurlaubsgesetz geregelt. Dort heißt es unter anderem, dass jeder Arbeitnehmer Anspruch auf mindestens 24 Werktage im Jahr hat. Ein höherer Urlaubsanspruch kann sich aus dem Arbeitsvertrag oder einem Tarifvertrag ergeben.

Die Regelung, wonach Urlaub der Erholung dienen soll, bindet auch den Arbeitnehmer: Wer die freien Tage ähnlich wie Überstunden zu Gunsten einer Vergütung aufgeben möchte, hat wenig Chancen. Denn eine Auszahlung nützt zwar dem Geldbeutel, nicht aber bei der Erholung. In manchem Fall gestaltet sich die Urlaubsplanung schon anstrengend genug. Wer seinen Jahresurlaub mit vielen Kollegen und Vorgesetzten absprechen muss, sollte sich möglichst früh festlegen.

Eltern dürfen mehr

Ist diese Entscheidung gefallen, kann der Chef den Urlaub gewähren. Bei wichtigen betrieblichen Gründen, zum Beispiel in Hauptarbeitsphasen oder wenn schon mehrere Kollegen zu dieser Zeit fehlen, muss er das aber nicht. Grundsätzlich gilt dabei: Urlaubswünsche von Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern mit Kindern im schulpflichtigen Alter sollten vorrangig behandelt werden.

Das bedeutet, sie haben bessere Chancen, in der Hauptsaison frei zu bekommen. Gibt es viele Mitarbeiter, die wegen ihrer Kinder in den Sommerferien Urlaub nehmen möchten, muss der Vorgesetzte eine Lösung finden. So kann ein Teil der Belegschaft in den Sommer-, der andere in den Herbstferien frei bekommen - und im nächsten Jahr wird gewechselt.

Diese Gleichberechtigung gilt nicht nur unter den Kolleginnen und Kollegen, sondern auch in Hinblick auf den Chef: Er darf seine Urlaubswünsche nicht in den Vordergrund stellen.

Und wenn es Schwierigkeiten gibt?

Sollte kurz vor Urlaubsbeginn ein Widerruf des bereits gewährten Urlaubs erfolgen oder Ihrem Urlaubswunsch unberechtigterweise nicht stattgegeben werden, wenden Sie sich dringendst an einen im Arbeitsrecht erfahrenen Anwalt. Dann kann spätestens im gerichtlichen Eilverfahren, sollten die vorherigen Verhandlungen nicht bereits zu einem Ergebnis führen, der Urlaub vielleicht doch noch durchgesetzt werden.

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- Gießen
Fachanwalt für Arbeitsrecht
Philosophenstr. 116
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Telefon: 0641-5599618

 

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